Welche Vorteile und Chancen bietet Home-Office fĂĽr Unternehmen?

Viele Unternehmen haben im Corona-Krisenmodus die Vorteile von Home-Office kennen und schätzen gelernt und wollen das Arbeiten von Zuhause dauerhaft ermöglichen. Die Gründe sind vielfältig. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Chancen und Vorteile Home-Office bietet.

Inhaltsverzeichnis

Dossier zu Datenschutz und Datensicherheit im Home-Office

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1. Home-Office steigert die Arbeitgeberattraktivität

Menschen sind unterschiedlich, und so auch die Bedürfnisse und Wünsche hinsichtlich des Arbeitsortes und der Arbeitszeit. Der eine arbeitet lieber im festen Büro in den Räumlichkeiten des Arbeitgebers, um den „echten“, persönlichen Austausch mit Kollegen zu haben. Der andere liebt die Flexibilität und arbeitet auch gerne mal im Home-Office, um beispielsweise fernab vom Großraumbüro konzentrierter Arbeiten zu können. Je individueller Mitarbeiteransprüche sind, desto flexibler muss sich der Arbeitgeber hinsichtlich des Arbeitsortes präsentieren. Unternehmen, die Mitarbeitern die Flexibilität und Freiheit einräumen, selbstbestimmt und eigenverantwortlich über den bevorzugten Arbeitsort zu entscheiden, erhöhen ihre Attraktivität als Arbeitgeber. Im Ergebnis erhöhen sich die Mitarbeiterzufriedenheit und die Zahl der Bewerber.

2. Home-Office senkt die Reiskosten

Wenn Reisen einem beruflichen Zweck dienen, sprich man von Geschäftsreisen oder auch Dienstreisen. Dazu zählen beispielsweise Geschäftstermine in anderen Städten oder Ländern und der Besuch von Kunden, Kongressen und Events. Die Ausgaben für Fahrten, Flügen, Übernachtungen und Verpflegung können sich schnell auf mehrere Hundert Euro summieren. Laut Statista betrugen im Jahr 2018 die durchschnittlichen Kosten pro Tag und Person auf Geschäftsreisen in Deutschland 162 Euro.  

Es wäre nicht richtig, davon auszugehen, dass Mitarbeiter im Home-Office keine Geschäftsreisen tätigen würden. Jedoch lässt sich die Tendenz beobachten, dass Mitarbeiter in dezentral organisierten Arbeitsstrukturen über mehr Ressourcen verfügen, um Geschäftsreisen zu vermeiden. Zu den Ressourcen zählen die softwarebasierte Infrastruktur wie etwa Projektmanagementtools, Kollaborations- und Kommunikationsplattformen. Organisationen, die bereits Projekte agil managen und interne Meetings im virtuellen Raum umsetzen, verfügen automatisch über einen höheren digitalen Reifegrad. Entsprechend genießen virtuelle Meetings in der Belegschaft eine höhere Akzeptanz und Verbreitung. Geschäftsreisen finden nur dann statt, wenn Sie einen echten Mehrwert schaffen.

3. Mit Home-Office zur nachhaltigen Organisation

Während des Corona-Lockdowns arbeitete laut Bitkom jeder zweite Berufstätige ganz oder zumindest teilweise im Home-Office. In Folge konnten Mitarbeiter ihre Autos stehen lassen und Geschäftsreisen auf ein absolutes Minimum reduzieren. Darüber freut sich das Klima, denn rund 20 Prozent des CO2-Ausstoßes werden in Deutschland im Verkehrssektor verursacht – zum großen Teil durch den Berufsverkehr und die Geschäftsreisen. Die durch Home-Office herbeigeführte CO2-Einsparung spiegelt sich in der Nachhaltigkeitsbilanz eines Unternehmens.

Nachhaltige Unternehmen profitieren mehrfach vom modernen Arbeitsorganisationsstrukturen: Jüngere Talente interessieren sich vornehmlich für potenzielle Arbeitgeber, die im Kontext Nachhaltigkeit und Ökologie etwas vorzuweisen haben. Für nachhaltige Home-Office-Organisationen ist das eine echte Chance im Kampf um die Besten. Nicht nur aus HR-Sicht, sondern auch marketingseitig lässt sich Home-Office argumentieren: Nachhaltige Unternehmen können im Markt höhere Preise durchsetzen und sich im Wettbewerb besser behaupten. Voraussetzung ist selbstverständlich die klare und transparente Kommunikation.

4. Home-Office erhöht die Produktivität

Wenn Mitarbeiter alleine von Zuhause arbeiten, können sie sich definitiv besser auf ihre Arbeit konzentrieren. Vor allem Mitarbeiter mit GroĂźraumbĂĽroerfahrung wissen die Ruhe zu schätzen. Tastaturgeklacker, laute Telefonate und Gejubel am Kickertisch können akustische Störquellen sein und die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Nicht selten stehen Kollegen am Schreibtisch, um mal „kurz“ was zu fragen oder zu besprechen und nicht selten dauern diese kurzen Meetings dann doch länger. 

Spontane Meetings sind im Home-Office (hoffentlich) eher die Ausnahme. Im Gegenteil: Telkos und Videokonferenzen werden meist terminiert und im Vorfeld besser organisiert. „Kurze“ Fragen werden in der Regel schriftlich per E-Mail formuliert und stören nicht den geplanten Arbeitsablauf im Home-Office. Gleichzeitig werden Arbeitsziele und -ergebnisse besser dokumentiert und bereitgestellt, als es im persönlichen Gespräch passieren wĂĽrde. 

Mitarbeiter, die im privaten Raum arbeiten, können sich den Arbeitsraum individuell gestalten, die Raumtemperatur nach eigenen Wünschen regulieren und dann durchlüften, wenn es nötig ist. Die eigenverantwortliche Gestaltung der Arbeitsumgebung und Organisation des Arbeitsablaufs erhöht die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter. Eine jüngst veröffentlichte Befragung vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik bestätigt die erhöhte Produktivität der Mitarbeiter im Home-Office. Demnach fühlen sich knapp 40 Prozent der Befragten produktiver als bei der Arbeit vor Ort.

5. Home-Office bietet skalierbare Büroflächen

Seit Corona sind Unternehmen angehalten Mindestabstände zwischen den Arbeitsplätzen sicherzustellen – zum Schutze der Gesundheit der Beschäftigten. Der gebotene Abstand benötigt deutlich mehr Bürofläche. Bürofläche, die nicht zur vorhanden. Das Zuhause der Mitarbeiter stellt eine schnell umsetzbare Option dar, die Arbeitsfähigkeit unter der Maßgabe des Schutzes der Mitarbeitergesundheit sicherzustellen.

Am Beispiel von Contact-Centern lässt sich das Problem der knappen Fläche einfach veranschaulichen: In einem Contact-Center mit 400 Mitarbeitern (Agents) kann aufgrund der Corona-Beschränkung nur noch rund die Hälfte der Mitarbeiter vor Ort arbeiten. Gleichzeitig nimmt das Anrufervolumen in den Contact-Centern massiv zu, da lokale Geschäfte und Filialen geschlossen haben. Die Kapazität müsste eigentlich sogar auf 600 Mitarbeiter erhöht werden, um dem Serviceanspruch gerecht werden zu können. Stattdessen stehen nur 200 Arbeitsplätze in den Räumlichkeiten des Contact-Centers zur Verfügung. Das Dilemma der knappen Bürofläche lässt sich durch die systematische Umsetzung von Home-Office lösen, indem Call-Center Agents nicht im Contact Center vor Ort arbeiten, sondern in den eigenen vier Wänden Zuhause. Damit lässt sich die nötige Arbeitsfläche quasi skalieren – im Sinne der Gesundheit der Mitarbeiter. Dabei kann der mobile Arbeitsplatz zumindest theoretisch an unterschiedlichsten Orten sein. Der Wegfall des Pendlerverkehr führt übrigens laut DIW dazu, dass die Ansteckungsgefahr mit einem Virus abnimmt.

Doch nicht nur der Schutz der Beschäftigen ist Unternehmen wichtig, sondern auch die Senkung der Büromieten. Zahlreiche mittelständische Unternehmen und Konzerne denken darüber nach, die Büroflächen dauerhaft zu reduzieren, um Kosten einzusparen. Diesem Thema widmet sich die ARD in der Sendung plusminus  mit einem Beitrag.

Immer mehr Menschen wollen im Home-Office arbeiten - aber nicht jeder!

Home-Office hat nicht nur Vorteile, sondern auch Risiken und Schattenseiten. Nicht jeder Job ist im Home-Office ausführbar und nicht jeder Mitarbeiter ist dafür geeignet. Jobs, bei denen die persönliche Anwesenheit zwingend erforderlich ist, sind für das Arbeiten von zu Hause eher ungeeignet. Wie produktiv und motiviert ein Mitarbeiter im Home-Office ist, hängt u.a. vom Persönlichkeitstyp des Mitarbeiters ab. Mitarbeiter mit mangelnder Selbstdisziplin sind für das Home-Office weniger geeignet oder brauchen einen entsprechenden Führungsstil.  

Nicht jeder Mitarbeiter fühlt sich im Home-Office wohl. Doch die Akzeptanz und Bereitschaft für Work@Home nimmt bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern gleichermaßen zu. Mittelfristig lässt sich prognostizieren, dass der Anteil derjenigen, die gelegentlich oder häufig im Home-Office arbeiten wollen, bei rund 30 bis 35 Prozent liegen wird – also deutlich höher als vor Corona. Das Vorhaben des Bundesarbeitsministeriums ein „Recht auf Home-Office“ gesetzlich zu verankern, könnte diesem Trends einen weiteren Wachstumsschub verleihen. Insgesamt ein klarer Trend zur hybriden und dezentralen Organisation.