Wo ist das Homeoffice eigentlich?

Wo ist das „Homeoffice“ eigentlich? Ist mit Homeoffice das mobile Arbeiten im Lieblingskaffee gemeint oder das fest eingerichtete Arbeitszimmer Zuhause? In diesem Artikel beantworten wir die wichtigsten Fragen zum Homeoffice als Arbeitsort: Wo Sie Homeoffice machen können, dĂŒrfen, mĂŒssen und wo besser nicht.

Inhaltsverzeichnis

Homeoffice ist ĂŒberall, solange es nicht im BĂŒro ist

„Work is what you do, not where you go”, sagte der Wirtschaftsphilosoph Charles Handy. Mehr denn je, haben Menschen die Möglichkeit ĂŒber den Arbeitsort und die Arbeitszeit zu entscheiden. Das Zeitalter der Digitalisierung hat unser Arbeitsleben umfassend flexibilisiert. Das Arbeiten im Homeoffice bietet viele Vorteile und Chancen. Wir können in den eigenen vier WĂ€nden, mobil von unterwegs oder in den RĂ€umlichkeiten des Arbeitgebers arbeiten. Mit Corona ist das Thema Homeoffice und mobiles Arbeiten in der breiten Bevölkerung angekommen. Eine von der Bitkom wĂ€hrend des Corona-Lockdowns durchgefĂŒhrte Befragung kommt zum Ergebnis, dass die HĂ€lfte aller BerufstĂ€tigen ganz oder zumindest teilweise im Homeoffice gearbeitet hat. Vor der Pandemie lag die Quote noch bei rund 20 Prozent. 

Die Grafik verdeutlicht das Interesse der Deutschen an „Homeoffice“ auf Google in den letzten 5 Jahren.

Einige Unternehmen, die ĂŒber einen hohen Digitalisierungsgrad und eine agile FĂŒhrungskultur verfĂŒgen, konnten in der Corona-Zeit quasi nahtlos den Arbeitsort flexibilisieren. FĂŒr die meisten Unternehmen und Mitarbeiter ist das Arbeiten im Homeoffice jedoch eine komplett neue Erfahrung und bringt viele Herausforderungen und Fragen mit sich. Eine der vielen Fragen ist, wo Homeoffice möglich ist.

Wo ist das Homeoffice Zuhause?

Als Homeoffice wird im allgemeinen Sprachgebrauch jeder Arbeitsort außerhalb der RĂ€umlichkeiten des Arbeitgebers verstanden. Synonym zu Homeoffice wird auch gerne von „mobilem Arbeiten“ oder im englischen von „Remote Work“ gesprochen. Das Homeoffice kann im Grunde ĂŒberall sein, nur nicht im GebĂ€ude des Arbeitgebers. Arbeitsorte fĂŒr das Homeoffice sind beispielsweise: Zuhause am KĂŒchentisch, im Garten, im Zug, am Strand, im Lieblingskaffee oder in einem Co-Working Space. Der Phantasie und der KreativitĂ€t sind keine Grenzen gesetzt. Solange die Stromversorgung fĂŒr den Laptop und die Internetverbindung sichergestellt sind, kann jeder Ort fĂŒr die mobile Arbeit genutzt werden. Übrigens: Wenn Sie in England auf dem Weg ins „Home Office“ sind, dann könnte das auch als „Innenministerium“ verstanden werden.

Wo Sie lieber nicht Homeoffice machen sollten

Viele Orte können als Homeoffice genutzt werden, doch nicht jeder ist fĂŒr mobiles Arbeiten geeignet bzw. angemessen. So kann es bei einer Videokonferenz zu Irritation fĂŒhren, wenn Mitarbeiter mit freiem Oberkörper am Pool zu sehen sind, wĂ€hrend andere wiederum im Businessoutfit im Arbeitszimmer sitzen. 

Der Datenschutz und die Datensicherheit zĂ€hlen zu den typischen Risiken im Homeoffice. Nicht jeder unbeteiligte Dritte darf und sollte ihre Daten sehen oder GesprĂ€che hören können. Hierbei geht es um den möglichen Schutz von vertraulichen Betriebsinformationen oder den Schutz von Personendaten, der in der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) geregelt ist. Wenn Mitarbeiter beispielsweise Kundendaten in einem Kaffee, also einem öffentlichen Raum, bearbeiten, könnte das zumindest aus Sicht der DSGVO ein unzulĂ€ssiger Arbeitsort fĂŒr Homeoffice sein. 

Da der Datenschutz und die IT-Sicherheit Hand in Hand gehen, ist es ratsam bei der Wahl des mobilen Arbeitsplatzes die IT-Sicherheitsrisiken abzuschĂ€tzen. Klassische Beispiele fĂŒr IT-Sicherheitsrisiken sind beispielsweise unsichere, öffentliche InternetzugĂ€nge oder unverschlĂŒsselte Datenverbindungen zum Unternehmensrechner. Eine VPN Verbindung und verschlĂŒsselte WLAN InternetzugĂ€nge helfen, die Risiken fĂŒr Cyberangriffe zu reduzieren. 

Kurzum: An einigen Orten „können“ Sie Homeoffice machen, an anderen „sollten“ Sie es nicht. Doch wo „muss“ man Homeoffice machen?

Wo „muss“ das Homeoffice sein?

In der Regel besteht beim Thema „Homeoffice“ keine vertragliche Vereinbarung. Es wird vielmehr davon ausgegangen, dass die Regeln, die in den RĂ€umlichkeiten des Unternehmens gelten auch außerhalb der RĂ€umlichkeiten GĂŒltigkeit behalten. Die fĂŒr „Homeoffice“ wichtigen Themen wie Arbeitsort, Arbeitszeit, Datenschutz oder technische Infrastruktur werden in der RealitĂ€t selten gesondert geregelt. Deshalb kann der Mitarbeiter in der Regel selbst entscheiden, wo sich das Homeoffice befinden soll. 

Anders verhĂ€lt es sich, wenn Unternehmen und Mitarbeiter vertraglich vereinbaren, dass der Arbeitsort außerhalb der RĂ€umlichkeiten des Arbeitgebers erfolgen soll bzw. muss. In diesem Fall wird von „mobiler Telearbeit“ oder „Teleheimarbeit“ gesprochen.

Worin liegt der Unterschied zwischen Homeoffice und Telearbeit?

Telearbeit bezeichnet alle Formen der verteilten AufgabenbewĂ€ltigung unter Nutzung raum- und zeitĂŒberbrĂŒckender Telemedien. Anders formuliert: Als „Telearbeit“ werden Formen der Arbeitsorganisation genannt, bei denen Mitarbeiter außerhalb der RĂ€umlichkeiten des Arbeitgebers arbeiten und hierfĂŒr Laptop, PC, Telefon und Internet nutzen. Dabei ist es grundsĂ€tzlich unerheblich, ob die Arbeit von einem fest eingerichteten Arbeitsplatz in den eigenen vier WĂ€nden oder von unterwegs, also mobil, erfolgt. Wenn die Arbeit *gelegentlich* außerhalb des gewohnten BĂŒros stattfindet, wird von *alternierender Telearbeit* bzw. im allgemeinen Sprachgebrauch von „Homeoffice“ gesprochen. Bei der „Teleheimarbeit“ hingegen arbeitet der Mitarbeiter *regelmĂ€ĂŸig* in den privaten RĂ€umen. Hierzu treffen Arbeitgeber und Arbeitnehmer eine klare Vereinbarung, u.a. zum Arbeitsort, dem „Telearbeitsplatz“. FĂŒr die Ausstattung des Telearbeitsplatzes ist laut ArbeitsstĂ€ttenverordnung (ArbStĂ€ttV) der Arbeitgeber verantwortlich. 

In § 2 Abs.7 ArbStĂ€ttV heißt es: „TelearbeitsplĂ€tze sind vom Arbeitgeber fest eingerichtete BildschirmarbeitsplĂ€tze im Privatbereich der BeschĂ€ftigten, fĂŒr die der Arbeitgeber eine mit den BeschĂ€ftigten vereinbarte wöchentliche Arbeitszeit und die Dauer der Einrichtung festgelegt hat. Ein Telearbeitsplatz ist vom Arbeitgeber erst dann eingerichtet, wenn Arbeitgeber und BeschĂ€ftigte die Bedingungen der Telearbeit arbeitsvertraglich oder im Rahmen einer Vereinbarung festgelegt haben und die benötigte Ausstattung des Telearbeitsplatzes mit Mobiliar, Arbeitsmitteln einschließlich der Kommunikationseinrichtungen durch den Arbeitgeber oder eine von ihm beauftragte Person im Privatbereich des BeschĂ€ftigten bereitgestellt und installiert ist.“

Wo darf „mobil“ gearbeitet werden?

Im Gegensatz zur alternierenden Telearbeit ist das „mobile Arbeiten“ weder an das BĂŒro, noch an den hĂ€uslichen Arbeitsplatz gebunden. Die Mitarbeiter können von beliebigen anderen Orten mithilfe von Laptop, Tablet oder Smartphone ĂŒber das mobile Netz ihre Arbeit unabhĂ€ngig von festen Arbeitszeiten und festen ArbeitsplĂ€tzen erledigen. Auch hinsichtlich Arbeitszeit, Arbeitsschutz und Datenschutz unterscheidet sich die mobile Arbeit von Homeoffice. DarĂŒber hinaus mĂŒssen Homeoffice und Telearbeit auch vom rechtlichen Begriff der Heimarbeit abgegrenzt werden. Das Heimarbeitsgesetz beschreibt eigene Vorschriften und Gesetze fĂŒr diese besondere Mitarbeitergruppe.

Besteht ein Rechtsanspruch auf Telearbeit?

Ein Rechtsanspruch auf mobiles Arbeiten oder auf Homeoffice, wie es ihn seit Juli 2015 zum Beispiel in den Niederlanden gibt, existiert in Deutschland (noch) nicht. Allerdings hat der Bundesarbeitsminister im April 2020 angekĂŒndigt, bis zum Herbst einen entsprechenden Gesetzesentwurf auf den Weg bringen zu wollen. Nach aktueller Gesetzeslage dĂŒrfen Mitarbeiter also nicht grundsĂ€tzlich vom Unternehmen verlangen, zu Hause arbeiten zu dĂŒrfen.

Die verschiedenen Arbeitsorte der Telearbeit in der KurzĂŒbersicht:

  • Der Teleheimarbeitplatz ist permanent zu Hause. In der Call- und Contact-Center-Branche hat sich in den vergangenen Jahren ĂŒberwiegend der Begriff Work@Home etabliert. 
  • Bei der alternierenden Telearbeit hingegen wechseln einzelne ArbeitsplĂ€tze. Sie befinden sich teilweise zu Hause und teilweise im BĂŒro. Begrifflich wird auch Homeoffice verwendet. 
  • Beim SatellitenbĂŒro und NachbarschaftsbĂŒro sind Betriebsabteilungen ausgelagert. Die ArbeitsplĂ€tze liegen teilweise oder permanent wohnortnah. 
  • Das Teleservicecenter oder Telecenter ist ein wohnortnahes Dienstleistungsangebot fĂŒr dezentrale Unternehmen. In diesen Centern wird die fĂŒr die Arbeit notwendige Infrastruktur (Schreibtisch, Internet, etc.) bereitgestellt, wobei die Kosten von verschiedenen Arbeitgebern gemeinsam getragen werden. 
  • Bei der mobilen Telearbeit sind einzelne oder beliebige ArbeitsplĂ€tze teilweise oder permanent an beliebigen Orten. Es wird auch der Begriff Teleaußenarbeit benutzt. 
  • On-site-Telearbeit bezeichnet die AusfĂŒhrung von Telearbeit im GebĂ€ude und bei Nutzung der Infrastruktur eines Fremdunternehmens.

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